Da wollte ich schon immer mal hin, doch bisher hatte es sich nie ergeben. In
letzter Zeit war es jedoch fast schon unheimlich. Es schien, als wolle uns jemand
ans Herz legen, endlich mal Thüringens Landeshauptstadt zu besuchen. Ständig sah, las und hörte man
etwas, in dem es um Erfurt ging. Ganz besonders viele Nachrichten galten dem bevorstehenden Besuch des Papstes. Wenn nun der heilige
Vater aus Rom am kommenden Wochenende anreiste, dann wollte ich mich aber beeilen, um noch vor ihm dagewesen zu sein.
Wir hatten eine gute Fahrt. Vor allem der letzte Teil der Strecke durch das Thüringer Land war besonders schön. Nur in Erfurt selbst
hatten wir etwas Mühe einen geeigneten Parkplatz zu finden.
Es heißt ja: Alle Wege führen nach Rom. Dann müssen wir uns auch nicht darum sorgen, dass nächste Woche der bayrische Vater…. äääh
… heilige Vater seinen Heimweg nicht mehr findet. In Erfurt kann man sagen: Alle Wege führen zum Dom. Auf der Suche nach einem
Parkplatz umfuhren wir das Zentrum mehrmals und alle Wegweiser deuteten zum Dom.
Es war dann nicht schwer sich in der fremden Stadt zurecht zu finden. Ich weiß nicht, ob es in Erfurt immer so rege zugeht, oder ob es
tatsächlich die Vorbereitungen und die Vorfreude auf den Papstbesuch waren, die die Stadt scheinbar in einen einzigen großen
Ameisenhaufen verwandelten. Auf dem Domplatz wurden auf alle Fälle schon diverse Vorbereitungen getroffen, doch es fand außerdem
ein Wochenmarkt statt und direkt am Dom und auf der großen Treppe davor tummelten sich unzählige Touristen. Das Sprachgewirr ließ
mich eher an Neuschwanstein, die Rüdesheimer Drosselgasse oder das Münchner Hofbräuhaus denken. Tatsächlich waren wir aber doch
in Erfurt, im tiefsten Ossiland, in Thüringen, wo die Sprache noch ein wenig schrulliger klingt, als in Sachsen. Ich muss gestehen, das
erfüllte mich dann doch ein wenig mit Stolz.
Ja, einerseits war da Stolz auf mein Heimatland, andererseits empfand
ich auch Enttäuschung, wenn ich an Halle dachte. Ähnlich wie Halle
hat Erfurt eine schöne Altstadt … mit dem Unterschied: in Erfurt sind
viel mehr alte Gebäude erhalten UND die meisten dieser wertvollen
alten Häuser sind tatsächlich gut gepflegt. Das zieht natürlich
Besucher an. Erfurt hat nicht mal einen Händel oder eine andere
vergleichbare Figur. Erfurt hat auch keine Halloren, die so
einzigartig sind, dass ein Besuch dafür lohnt. Erfurt hat den
Dom, eine Zitadelle und die Krämerbrücke; architektonische
Zeugnisse der Geschichte, in die man investiert hat, um sie zu
erhalten. Man war nicht so flink mit dem Abreißen – zum
Glück! Heute zahlt es sich aus. Touristen kommen in Scharen.
Das muss man gesehen haben. Das ist unbedingt ein Besuch
wert.
Offengestanden war ich etwas enttäuscht, als ich den Dom
betrat. Katholische Gotteshäuser sind dafür bekannt, dass sie
besonders prachtvoll geschmückt und ausgestattet sind.
Zumindest der Hauptteil des Domes ist eher schlicht. Nur im
hinteren Teil gibt es herrliche bunte Bleiglasfenster und ein
schönes Chorgestühl. Direkt neben dem Dom begrenzt den
Platz die Severikirche. Sie ist eigentlich die Schönere. Es ist
wie bei den Menschen. Der Dom = männlich, groß, kraftvoll,
imposant. Die Severikirche = weiblich, kleiner, filigraner,
kompakter; einfach schöner.
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